Kommunikation als Auftakt der Vortragsreihe bei Duschl Ingenieure

12.01.2012 Nachlese Vortragsreihe Duschl Ingenieure


KOMMUNIKATION
Glaubwürdiges Denken für Demokratie - unser Standort 2012

Referent: Dr. Reinhard Frommelt, St. Augustin bei Bonn
1989-2000 Leiter des Büros des Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Bernhard Vogel (Ministerpräsident Rheinland-Pfalz und Thüringen) und Professor Dr. Günter Rinsche MdEP (Vors. der CDU/CSU-Abgeordneten im Europaparlament)

Vortragsreihe Duschl Ingenieure - Andreas Duschl, Dr. Reinhard Frommelt, Gerhard Duschl

v.l.n.r. Andreas Duschl, Duschl Ingenieure
Dr. Reinhard Frommelt, Referent
Gerhard Duschl, Duschl Ingenieure
Foto: Duschl Ingenieure GmbH & Co KG

Mit einem Blick über den Tellerrand hinaus eröffnete Dr. Reinhard Frommelt die aktuelle Vortragsreihe der Duschl Ingenieure. Aus langjähriger Erfahrung in beratender Funktion an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik in Bonn und Berlin beleuchtete er Chancen und Risiken politischer Kommunikation in Deutschland seit der Ära Adenauer und gab einen Einblick in seine Medientrainings für Redner und Workshops für Redenschreiber, die der Professionalisierung glaubwürdigen Redens in der Politik dienen sollen.
Auf dieser Grundlage reflektierte er Ansätze und Denkblockaden bei Zukunftsprognosen, beschrieb die Anforderungen an Orientierung über den Tag hinaus und skizzierte seine Überlegungen für eine Standortbestimmung zu Beginn des neuen Jahres 2012

Sprache und Politik

Politische Willensbildung in unserer parlamentarischen Demokratie lebt vom glaubwürdigen Reden in der Öffentlichkeit, in den Medien, in den Parlamenten und nicht zuletzt im Dialog zwischen Politikern und Bürgern. Die Anforderungen sind hoch: die Kunst der freien Rede, der Verzicht auf „Denkverbote“, das Zuhörenkönnen – solche Tugenden waren und sind selten.
Filmaufnahmen von Adenauers Reden illustrierten seine Rhetorik, seine schlagfertige Präsenz, seinen Humor, nicht zuletzt seine legendäre Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte wirkungsvoll zu vereinfachen – die „Schicksalsfrage Deutschlands: Wir wählen die Freiheit“. Den klassischen Zielkonflikt zwischen Grundsatztreue und Wählerfang, die Achillesferse jeder Demokratie, exemplifizierte der Referent am Streit Adenauers mit Ludwig Erhard über die Subvention der Steinkohle nach dem Motto: Damit Sie Ihre Soziale Marktwirtschaft verwirklichen können, muss ich doch zuerst die Wahlen für Sie gewinnen.
Politisch verantwortliches Handeln für die Zukunft erfordert nicht nur einen Konsens im Grundsätzlichen vor jedem Streit über die Details. Glaubwürdiges Reden darüber setzt auch Orientierung an Werten und Zielen voraus, die „über den Tag hinaus“, länger als eine Legislaturperiode, zu überzeugen vermögen -für weitblickende Politiker und für ihre Berater, ihre   „Redenschreiber“, eine schwierige Aufgabe, vor allem wenn populistische Erwartungen, kurzfristige Erfolge, egozentrische Vorteile entgegenstehen.

Vordenken setzt Nachdenken voraus

Vor diesem Hintergrund kritisierte der Referent gängige Prognosen für 2012. Denn weder das Fortschreiben längst bekannter Trends noch das „Erwarten des Unerwarteten“ – so der Ratschlag einer renommierten Zeitschrift – vermögen diese Orientierung zu vermitteln.
Statt dessen kann ein Blick in die Geschichte warnen vor der verhängnisvollen Tendenz, schwierige Sachverhalte vorschnell zu schematisieren („sieben fette und sieben magere Jahre“), sich gegen empirische Erkenntnisse (das heliozentrische Weltbild) zu immunisieren, Erfindungen und Innovationen zu verbieten (was den Abstieg der stolzen Reichsstadt Nürnberg bis 1796 verursachte) und Denkblockaden durch falsche Analogien („Maginot-Falle“: Der Schuss geht ganz woanders los) auf den Leim zu gehen.
Für 2012 bedeutet das: Anders, als von interessierter Seite behauptet, wiederholt sich die Weltwirtschaftskrise 1929 nicht. Für seriöse Wirtschaftshistoriker (Werner Plumpe: Wirtschaftskrisen. München 2010) ähnelt die aktuelle Krise allenfalls dem Gründerkrach 1873, was der Referent mit einem Diagramm der Wachstumsraten 1850-2009 illustrierte. Doch mit kurzschlüssiger Krisenbekämpfung durch immer höhere Verschuldung wird womöglich der Teufel durch Beelzebub ausgetrieben, die kommende Generation überlastet und die parlamentarische Demokratie delegitimiert.
Einen Konsens über langfristige und nachhaltige Politik anzustreben, ist für die Vitalität und Zukunft unserer Demokratie darum lebensnotwendig und– so der Appell des Referenten -die eigentliche Aufgabe für glaubwürdiges Reden in Politik und Gesellschaft 2012.

 

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